Dein Rückzugsort im Kinderwunsch

Manchmal wird das Leben zu viel. Wir sind täglich tausenden Eindrücken ausgesetzt, verarbeiten sie mit tausend kreisenden Gedanken, vieles triggert etwas in uns, vieles löst große Emotionen aus. Alles kostet Energie. Und nicht nur deine eigenen Gedanken sind im Spiel, sondern du denkst auch noch mit für andere – für deinen Partner, Freundinnen, Familienmitglieder. Du antizipierst, planst, reagierst, verarbeitest. Besonders wir Frauen sind oft anfällig dafür, zu viel zu geben.

Und wo tankst du mal deine Energiereserven auf?

Es tut so gut, mal seinen eigenen Gedanken zuzuhören, aber wo geht das ungestört? Vielleicht mal eine Meditation zu machen, einem kreativen Hobby nachzugehen oder in einer Phase, wo dir alles zu viel wird, auch mal deine Emotionen als Tränen fließen zu lassen. Natürlich wollen ebenso die erfüllenden Momente in Ruhe wahrgenommen werden. Deine Dankbarkeit, deine Verbindung zu anderen Menschen, das Schwelgen in nostalgischen Gedanken, das Träumen und die Visualisierung deiner Zukunft. Insbesondere im Kinderwunsch darfst du die vertrauensvolle Verbindung zu deinem Körper üben, darfst wahrnehmen, wie sich deine unterschiedlichen Zyklusphasen anfühlen und abwägen, welche Aktivitäten im jetzigen Moment zu deinem Energielevel passen. Innehalten und tiefes Atmen sind die Grundpfeiler für einen bewussten und liebevollen Umgang mit dir selbst. In meinen Augen eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Kinderwunsch in Freude – einen Kinderwunsch, der nicht aus terminiertem Sex besteht, sondern aus der ganzheitlichen Versorgung deines weiblichen Körpers, während du Freude im Prozess empfindest.

Zwischen Küche und Wohnzimmer, Haushalt und Alltagsterminen geht dies oft nicht so gut. Und selbst wenn du für dich ein kleines Zeitfenster findest, dann hast du vielleicht keine Lust, dich an einen Esstisch zu setzen, auf dem benutztes Geschirr und einige unbezahlte Rechnungen herumliegen. Was ist also die Lösung?

Vor einiger Zeit hatte ich auch eine solche Phase des Umbruches vor mir: Ich war gerade frisch mit meinem Freund zusammengekommen und wollte bei ihm einziehen. Seine Wohnung war nach seinem Geschmack und seinen Bedürfnissen eingerichtet. Parallel stellte sich vieles in meinem Äußeren und Inneren um: Ich durfte langsam in die Rolle der Partnerin hineinwachsen und mich von meinem Single-Dasein verabschieden, zusätzlich hatte ich eine große Belastung auf der Arbeit und begann mich auf die Suche nach einer neuen Tätigkeit zu begeben. In der Zeit war ich oft mit meinen Kräften am Ende und konnte mir nicht wirklich erklären, wie es sein kann, dass dieses Gefühl der Belastung nicht einmal aufhört. Bis mir eines Tages klargeworden ist, dass ich keinen Ort habe, an dem ich mich aufladen kann. In meiner eigenen Wohnung habe ich immer meditiert, reflektiert, bin persönlich gewachsen, habe Dinge zu Papier gebracht und sie hinterfragt. Diese Ordnung meiner Gedanken fiel nun weg und stürzte mich in ein Gefühl des täglichen Kämpfens gegen meine To-Dos, meine Müdigkeit, meine unverarbeiteten Emotionen. Ich begann, wieder Reflexionen durchzuführen, doch ich konnte keine Tür schließen und war so oft abgelenkt. Ich schaffte es einfach nicht mehr, in mir selbst anzukommen und das hat mich sehr traurig gemacht.

Eines Tages realisierte ich, dass mir ein Ort gut tun könnte, der nur für mich ist. Der eingerichtet ist mit den Grundlagen, die ich für einen inneren Reset benötige. Für mich persönlich ist das etwas zu schreiben, Kerzen, ein Tisch und (ganz wichtig), eine Tür, die ich schließen kann. Also habe ich mir meinen Rückzugsort eingerichtet und die Grenzen mit meinem Freund kommuniziert, sodass ich von da an alle paar Tage mal eine Stunde ganz für mich und die Sortierung meiner wirren Gedanken hatte. Das hat Wunder gewirkt. Ich konnte auf einmal wieder klar denken, eine bessere Partnerin sein und mich mit einem Gefühl der Selbstwirksamkeit nach und nach um alles kümmern, was herausfordernd war. Deshalb möchte ich dir heute die sechs Schritte an die Hand geben, nach denen ich vorgegangen bin, um diesen Ort für mich zu erschaffen. Lass dich inspirieren!

#1 Was bringt dir Freude?

So wie ich gemerkt habe, dass es noch nicht genügt, mir vorzunehmen, irgendwie meine Gedanken zu reflektieren und dann herausgefunden habe, dass ich dringend einen Ort für mich benötige, hinter dem ich die Tür schließen kann, frage auch du dich: “Was brauche ich eigentlich gerade?”

Das ist manchmal einfacher gesagt als getan. Wenn du bis hier hin gelesen hast, weiß ich, dass du dir eine Form des Rückzuges wünschst. Doch wie sieht das für dich aus? Vielleicht benötigst du Stille, vielleicht Zeit für deine Hobbies und einen Platz, der alle Utensilien bereithält, vielleicht träumst du von einer gemütlichen Ecke, in der du am Abend lesen kannst? Was stellst du dir unter Rückzug vor?

Andersherum kannst du auch vorgehen: Was zeichnet die Situation zuhause gerade aus? Was belastet dich? Ist es Zeitmangel, Reibereien in der Beziehung, fehlende Individualität, zu viele Aufgaben, eine getrübte Stimmung? Und wenn du dir das ehrlich eingestanden hast, frage dich: Was wäre der Gegenpol dazu? Womit kann ich einen Ausgleich schaffen, um wieder in meine Balance zu kommen? Ziel sollte immer sein, dass du dich nicht als Opfer der Umstände fühlst. Also: Was brauche ich, um mein Leben wieder aktiv nach meinen Wünschen zu gestalten anstatt nur zu reagieren oder Feuer zu löschen?

#2 Finde deinen Platz

Wenn du nun herausgefunden hast, welche Art von Rückzugsort dir gut tun würde, frage dich als nächstes: In welchem Raum deines Zuhauses fühlst du dich am wohlsten? Vielleicht berücksichtigst du auch, wo sich dein Partner oder andere Familienmitglieder am meisten aufhalten und wählst einen Raum für dich, der eher unbenutzt ist und wo nicht ständig Frequenz ist. Aus diesem Grund würde ich die Küche oder den Wohnbereich eher weniger empfehlen. Vielleicht möchtest du dich im Schlaf- oder Arbeitszimmer einrichten? Gehe in den Raum und schließe kurz die Augen. Kannst du dir vorstellen, dass du hier zur Ruhe kommen kannst? Sei auch hier ehrlich mit dir selbst. Manchmal fühlen wir uns (aus welchen Gründen auch immer) in einem Raum einfach nicht wohl. Dann übergehe dieses Gefühl bitte nicht. Dein Körper hat Gründe für seine Gefühle. Er leitet dich mit seiner Freude. Wenn in einem Raum deine Fantasie und Begeisterung anspringt, dann weißt du: Du hast deinen Platz gefunden.

#3 Bereite den Raum vor

In diesem Schritt richtest du noch nicht deinen speziellen Rückzugsort ein, sondern sorgst erstmal für eine angenehme Umgebung. Du hast dich ja für einen Raum entschieden, in dem du dich wohl fühlst und in dem Rückzug auch grundsätzlich möglich ist. Schaue dich einmal in ihm um: Was fällt dir auf? Liegen Dinge herum? Empfindest du Chaos oder Störungen durch bestimmte Einrichtungsgegenstände? Auch, wenn du jetzt direkt loslegen möchtest mit deinem ganz besonderen Ort, vertraue mir, dieser Schritt wird es wert sein: Sortiere deinen Raum vorab einmal aus. Das wird dein Umfeld unglaublich doll beruhigen.

Schaue einmal in jeden Schrank, in jede Schublade, auf jede Oberfläche. Nimm die Gegenstände, einen nach dem anderen, in die Hand. Behalte, was dir Freude bringt, entsorge oder spende, was dir nicht mehr dient (das bedeutet, was weder einen Nutzen im Alltag hat noch ein Glücksgefühl hervorruft). Besprich natürlich im Zweifel das Entsorgen von Dingen mit deinem Partner. Sollte er etwas unbedingt behalten wollen, dann einigt euch auf einen Platz. Sorge dafür, dass jeder Gegenstand im Raum ein “Zuhause” hat, also einen festen Platz, an den es immer zurückgeräumt werden kann. So kann Ordnung Teil des Alltags werden und du sparst dir große Aufräumaktionen.

Wenn du diesen wichtigsten Schritt erledigt hast, wird es ab jetzt einfacher: Putze den Raum einmal gründlich. Und ja, am besten auch die Fenster putzen. Sorge dafür, dass so viele Oberflächen wie möglich frei und sauber sind, um deine Augen zu beruhigen. Schließlich möchtest du in diesem Raum ja abschalten. Wenn du beispielsweise im Schlafzimmer arbeitest, frage dich: Mag ich eigentlich die Textilien, z.B. die Tagesdecke oder die Kissen auf dem Bett? Falls nicht, dann tausche sie aus. Dein Raum verdient es, in deinen Lieblingsfarben gestaltet zu sein. Falls sich Pflanzen in dem Raum befinden, entferne trockene Blätter und Staub, gieße sie einmal und stelle sie in die Nähe der Sonne. Gesunde Pflanzen steigern die Lebensenergie. Achte insbesondere bei offenen Schränken darauf, dass deren Inhalt ordentlich aussieht. Werde kreativ: Du kannst auch herumfliegende Dinge z.B. in einem schönen Korb verstauen. Schon ist dein Auge beruhigt.

#4 Erschaffe deinen Ort

Nun ist endlich der Zeitpunkt gekommen, deinen eigenen Rückzugsort einzurichten! Die Schritte davor waren allerdings mindestens genauso wichtig, denn wenn die Basis nicht stimmt, tragen die folgenden Maßnahmen leider auch wenig zu deiner Entspannung bei. Du darfst dir jetzt wieder ein paar Fragen stellen:

  • Was bringt mir Freude, wenn ich mich zurückziehe?

  • Ein kleiner Schreibtisch oder ein gemütlicher Sessel?

  • Eine Yogamatte oder ein Meditationskissen?

  • Ein Bücherregal oder eine Materialsammlung für mein kreatives Hobby?

Stelle alles so hin, dass es dir gefällt und bereits Begeisterung und Vorfreude beim Anblick des Ortes entstehen. Denke unbedingt auch an das Zubehör, was du für deinen Rückzug benötigst: Eine Musikbox, ein Notizbuch, Stifte, ….?

#5 Letzte Details

Jetzt kommen wir zum Feinschliff, um diesen Ort komplett zu deinem Ort zu machen. Ich finde es wunderbar, dass jede von uns einen ganz eigenen Geschmack hat. Integriere das, was dich persönlich begeistert und folge bitte keinen Trends. Frage dich hier:

  • Welche Dekoration bringt mir Freude?

  • Bilder meiner Lieben oder ein Visionboard?

  • Ein emotionales Erinnerungsstück?

  • Ein Kristall oder ein Traumfänger?

  • Welcher Duft kann meinen Rückzug begleiten? Möchte ich vielleicht eine Duftkerze, Räucherstäbchen oder ein Duftspray nutzen?

Lege alles an deinem Ort bereit und dekoriere ihn so, wie es dein Herz höher schlagen lässt. Dieser Punkt wird noch wichtig, denn einen Ort zu haben, ist das eine. Doch im trubeligen Alltag daran zu denken, ihn auch zu benutzen, ist das andere. Erhöhe deine Motivation so weit es geht, damit du im Kinderwunsch immer wieder einen Reset-Knopf für Körper, Geist und Seele drücken kannst.

#6 Routinen schaffen & Grenzen ziehen

Nachdem du dir bis hierhin schon viele Gedanken gemacht hast, wofür du deinen Ort genau nutzen möchtest, fehlt jetzt noch die wichtigste Entscheidung: Wie baust du diesen Plan in dein Leben ein? Möchtest du jeden Morgen 15 Minuten an diesem Ort verbringen, die Tür zu machen und diesen “Termin” vielleicht sogar in den Kalender eintragen, sodass du ihn nicht zufällig verplanst? Möchtest du jeden Abend 30 Minuten an deinem Ort sein oder genügt es dir, einmal im Monat dort zu sein und dafür eine etwas längere Zeit für eine Monatsreflexion oder das Schreiben von Postkarten zu verwenden?

Egal, was du für dich planst: Kommuniziere es mit den Menschen in deinem Umfeld. Wenn du klar bist, werden sie es akzeptieren. Wenn du daran zweifelst, ob dir diese Zeit zustehst, strahlst du das aus und die Grenzen werden überschritten werden. Dir steht diese Zeit zu. Ich weiß, du leistest unglaublich viel. Im Flugzeug heißt es immer, man solle sich erst selbst die Rettungsweste anziehen, bevor man anderen hilft. Nutze dieses Bild für deine Grenze, wenn du mal zweifelst. Wenn du dich aufladen kannst an deinem persönlichen Lieblingsort, dann kannst du auch für andere da sein. Dann hast du viel mehr Kapazität für alles, was das Leben bereithält.

Und sei nicht zu streng, falls es einmal nicht klappt. Das ist das Leben und du kannst deine Zeit auch nachholen. Wichtig ist nur, dass du eine gewisse Regelmäßigkeit etablierst, die in deine Lebensrealität passt und von deinem Umfeld respektiert wird.

Ganz viel Erfolg dabei!

Myriam Trebesius

Hallo, ich bin Myriam Trebesius – Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin von in freude. Ich begleite Frauen mit Kinderwunsch dabei, Orientierung im Informationsdschungel zu finden, ihren Körper besser zu verstehen und wieder Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Dabei verbinde ich wissenschaftlich fundierte Empfehlungen mit einem ganzheitlichen Blick auf Ernährung, Lebensstil und Wohlbefinden.

Meine Vision ist eine Welt, in der sich ein Kinderwunsch wieder leichter anfühlt – mit weniger Druck, weniger Verzicht und mehr Freude.

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